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Dyskalkulie

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Dyskalkulie ist ein Begriff, der in den letzten Jahrzehnten möglicherweise mehr geschadet als genützt hat. Die Wissenschaft ist sich über die Ursachen von Rechenschwäche bzw. Verständnisproblemen beim Rechnen nach wie vor uneins. Für eine wirkliche Förderung betroffener Kinder war und ist dieser Begriff aber einfach nicht hilfreich. Die Definition der WHO trägt dazu auch nichts bei. Dass eine Rechenschwäche als eine Art Teilleistungsstörung zu sehen ist, ist seit einer Studie der LMU München, die gezeigt hat, dass 50 - 70% der Kinder mit gravierenden Problemen im Rechnen diese genau so beim Erlernen des Lesen und Schreibens haben, auch vom Tisch.

 

Es setzt sich auch zunehmend die Meinung durch, dass betroffene Kinder einfach zu wenig von dem bekommen haben, was man braucht, um Wesentliches am Fach Mathematik von klein auf zu verstehen. Ich habe übrigens in über 40 Jahren in der Lehrerausbildung und in der Schule nur sehr wenige Kinder gesehen, bei denen sinnvolle Förderung im Rechnen und in Mathematik keinerlei Fortschritte zeigte. Man könnte 90% der Kinder (wahrscheinlich sogar mehr) wirklich effektiv helfen, was auch von vielen Fachleuten aus der Wissenschaft genauso gesehen wird (siehe auch die beiden Links etwas weiter unten). Und diese Hilfen, Unterstützungs- und Fördermaßnahmen sind auch kein Hexenwerk (das kann einem höchstens passieren, wenn man an jemanden auf dem freien Nachhilfemarkt gerät, der nicht selten weder von Mathematik, noch von Lernen und schon gar nicht von Lernprozessen bei Kindern eine wirklich fundierte Ahnung hat), sondern sind nichts Anderes als der kindgerechte Aufbau zentraler Grundvorstellungen im Kopf der Kinder ohne die es einfach nichts mit dem mathematischen Anfangslernen werden kann.

 

Wichtig ist also eigentlich nur: Wie kann man Kinder mit besonderen Schwierigkeiten schon beim Erlernen der Grundlagen des Rechnens so  effektiv fördern, dass sie, genauso wie die meisten Kinder, notwendige Grundvorstellungen zu Zahlen und Operationen entwickeln und aufbauen können, um anschlussfähig zu bleiben. Anschlussfähig an die Erfordernisse des Faches Mathematik, aber auch an den Fortschritt beim Lernen innerhalb ihrer Schulklasse. Oder noch besser: Wie könnte  man es von Anfang an verhindern, dass es für (fast) kein Kind so weit kommen muss.

Zeitungsartikel zu Prof. Dr. Sebastian Wartha (PH Karlsruhe)  und seiner Sichtweise zu "Dyskalkulie"

20 Fragen und Antworten
zur "Rechenschwäche"  von
Prof. Dr. Volker Ulm (Universität  Bayreuth)

Den Sichtweisen und Antworten von Prof. Dr. Wartha  und Prof. Dr. Ulm muss nichts hinzugefügt werden. Sie sind hier auch stellvertretend für eine erhebliche Zahl von Mathematikdidaktik-Professoren, die der gleichen Meinung sind. "Dyskalkulie" ist wohl keine Krankheit, taugt als Begriff nicht für die Beschreibung des Problems und ist in den meisten Fällen auch kein unabwendbares Schicksal.

 

Weil anders herum hätte man das Problem ganz einfach mal wieder bei den Kindern abgeladen, alle anderen Beteiligten (Eltern, Schule usw.) könnten ja dann nicht viel daran machen und wären ja dann angeblich relativ hilflos in dem Bemühen, das Kind so zu fördern, dass es wieder Anschluss findet.  Alle wären damit mal wieder fein raus, außer die Kinder mit einem  "Krankheitsbild", was aber nur in ganz wenigen Bundesländern einen gewissen "Nachteilsausgleich" bei diagnostizierter Dyskalkulie gibt in Form von etwas längerer Arbeitszeit, was einem Kind mit echten Rechen- bzw. Matheproblemen auch nicht hilft. 

In Deutschland spricht man ungefähr von 15 - 20 % Kindern mit Problemen in Mathematik und von

3 - 8 % mit ganz besonderen Schwierigkeiten, die auch mit den Begriffen Rechenschwäche, Rechenstörung bzw. Dyskalkulie umschrieben werden. 

Dass es aber Kinder gibt (und auch jede Menge Erwachsene), die einfach Probleme mit Mathematik, auch schon mit grundlegenden Rechenfertigkeiten, dem sinnverstehenden Lesen, mit ihrer Konzentrationsfähigkeit oder mit ihrem Sozialverhalten in bestimmten Situationen haben ist unbestritten. Dies dann aber oft als eine Art "Krankheit" (hier: Dyskalkulie) abzutun, im Sinne von "mit dem Kind ist etwas nicht in Ordnung", ist sehr einfach  und absolut nicht hilfreich.  Jede/r von uns steht bei bestimmten Fähigkeiten und Begabungen einfach weiter vorne oder weiter hinten im Vergleich mit anderen.

Nochmal: Nicht das Kind ist das Problem oder sogar gestört, sondern seine Beziehung und sein Verständnis zu Zahlen hat irgendwo am Anfang mathematischen Lernens nicht den notwendigen "Lernkick" und entsprechenden Aufbau erhalten. Und dafür braucht es die richtige Unterstützung und Förderung, um eben nicht länger weit am "Ende der Lernkarawane" zu sein, die aber in der Schule für diese Kinder mit den geschilderten Problemen einfach zu schnell weiter zieht.

Schneller Kontakt per Mail

Beschreiben Sie bitte kurz Ihr Kind (auch die Klassenstufe) und sein Problem mit dem Rechnen und der Mathematik. Ich melde mich dann schnellstmöglich bei Ihnen.

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